OKB SARNENDer neue Hauptsitz der Obwaldner
Kantonalbank wird in einer Ge-
bäudegruppe, bestehend aus dem
repräsentativen Altbau von 1908/09
sowie zwei etappiert erstellten Büro-
neubauten beherbergt. Die drei
Gebäudekörper sind im ersten
Obergeschoss durch ein Binde-
glied, welches einen Raum für
die zentrale Markthalle aufspannt,
miteinander verbunden. Diese
Aufgliederung des grossen benö-
tigten Volumens und deren Form-
gebung, erlaubt eine Anpassung an
den Massstab des Sarner Dorf-
zentrums, wie auch an das hist-
orische Bankgebäude an der Bahn-
hofstrasse. Die Neu- und Anbauten
verstehen sich als zurückhaltende
Ergänzung zum bestehenden Bau.
Das grössere Neubauvolumen der
ersten Etappe, welches vorwiegend
Büroräume enthält, ist entlang der
Nachbarparzelle Frauenkloster mit
einem, für den Abbruch des beste-
henden Anbaus aus dem Jahre
1966, genügenden Abstand positi-
oniert. Das kleinere Volumen der
zweiten Etappe, welches die Räume
für Kundenberatung und Weiter-
bildung enthält, wird auf das belas-
sene Untergeschoss des Anbaus an
die Flucht des bestehenden Anbaus
gestellt. Somit wird die Baumallee
und der klar definierte Strassenraum
am Eingang des Dorfzentrums
weitergeführt und erhalten. Es wird
jedoch ein Platz an der Verzweigung
Brünigstrasse – Bahnhofstrasse
freigespielt, welcher dem Altbau
genügend Raum gibt und gleich-
zeitig auf den Eingang zur Markt-
halle hinweist.
Zwischen den Gebäuden befindet
sich jeweils ein ebenerdiger Kunden-
eingang zur Schalterhalle – dies er-
laubt, die Markthalle als einen halb-
öffentlichen Raum erlebbar zu
machen und gleichzeitig einen Zug-
ang vom Dorfzentrum, vom Bahnhof
und vom Kurzzeitparking zu erhalten.
Die übrigen Räume im Erdgeschoss
sind dem Niveau des Altbaus an-
gepasst und bieten somit auch den
geforderten Hochwasserschutz.
Ebenso erlauben im ersten Ober-
geschoss die Niveaus der Neu-
bauteneine durchgehende Anbin-
dung an den Altbau – und kreieren
so eine zentrale Verbindungsebene
zwischen den verschiedenen
Abteilungen.
Die Fassadengestaltung der Neu-
bauten zielen durch die unregel-
mässige Verwendung eines repeti-
tiven Elementes (vorfabrizierte
Betonstützen) auf einen abwechs-
lungsreichen, homogenen Ausdruck,
welcher neben der detailreichen
Fassade des Altbaus bestehen
kann, diesen jedoch nicht zu imitie-
ren versucht. Dieser Fassaden-
ausdruck ist gleichzeitig ein Hinweis
auf die innere Flexibilität der
Gebäude.
Auszug aus dem Jurybericht:
Das Projekt orientiert sich an der
kleinmassstäblichen, heterogenen
Körnung des Dorfes Sarnen.
Die Projektverfasser erzeugen mit
der Positionierung der zwei neuen,
rechteckigen Baukörper im
Zusammenspiel mit dem beste-
henden Altbau der Bank eine gut
situierte Gebäudegruppe. Das
historische Bankgebäude wird
seiner Bedeutung entsprechend
freigestellt. (....)
Der Strassenraum der Brünigstrasse
wird klar definiert und der Weg der
Baumallee wird weitergeührt. An der
Ecke Brünig- / Bahnhofstrasse
entsteht ein Platz, der von der
rekonstruierten Westfassade des
Altbaus flankiert wird, im Weiteren
aber sehr zurückhaltend gestaltet ist.
Die Einzelteile der Gebäudegruppe
werden durch eine zweigeschossige,
dreieckige Markthalle, die auf dem
Niveau des gewachsenen Terrains
liegt, verbunden. Die Stellung der
einzelnen Bauten zueinander ergibt
drei gleichwertig gestaltete Eingänge
in die Markthalle, die allerdings sehr
sparsam ausformuliert sind.
Die Erreichbarkeit ist somit von der
Bahnhofstrasse, vom neu geschaffe-
nen Platz an der Brünigstrasse und
vom Parkplatz her optimal. (....)
Die Zuordnung der Nutzungen ist
klar und konsequent. Die Büroräume
sind vollumfänglich im bestehenden
Altbau und im grösseren Neubau-
volumen angeordnet, wo im Dachge-
schoss auch die Räume des Bank-
rates, der Direktion und Geschäfts-
leitung liegen. Das kleinere Volumen
nimmt die Nutzungen mit öffentli-
chem Charakter auf. Diese Nutzungs-
verteilung führt zu sehr zweckmässi-
gen, gut funktionierenden Einheiten.
Die Grundrissgestaltung der drei
Einzelbauten ist sachlich klar und
einfach. Sie ergibt attraktive,
hochwertige Arbeits-, Beratungs-,
Schulungs- und Konferenzräume mit
unterschiedlichen Bautiefen.
Während die Büroräume entlang den
Fassaden aufgereiht werden, liegen
die Erschliessungsflächen und die
Serviceräume im Kern der Gebäude.
Bei der Gestaltung der Markthalle
verdient der Einbezug der be-
stehenden Südfassade des Altbaus
lobende Erwähnung. Der sorgfältige
Umgang mit dieser „neuen“ alten
Fassade manifestiert sich darin,
dass die Fassade für eine Verbin-
dung nur an einem, gut gewählten
Punkt im ersten Obergeschoss
aufgebrochen wird. Das Thema
der Innenfassade wird bei den Neu-
bauten aufgenommen und fortge-
führt, was zu einem spannenden
Zusammenspiel führt. (....)
Die Fassaden der Neubauten sind
mit den horizontalen Decken-
bändern, den vertikalen Beton-
Rasterelementen in rhythmisierter
Anordnung und den raumhohen
Fenstern konsequent gestaltet.
Die Höhenentwicklung der Neu-
bauten nimmt Bezug zur Schich-
tung des Altbaus.
Diese einfache Formensprache
erlaubt es dem Altbau als haupt-
sächlich repräsentierendes Ge-
bäude aufzutreten, was seinen
Qualitäten absolut entspricht.
Die Dachgestaltung lehnt sich
formal an diejenige des Altbaus
an, sie wirkt aber zu schwer. (...)
Das Projekt überzeugt aus städte-
baulicher Sicht. Die äussere und
innere Gestaltung der Neubau-
ten ist gelungen und attestiert
den Verfassern einen respektvollen
Umgang mit dem Altbau. Die
betrieblichen Funktionalitäten
werden optimal gewährt.
Das Projekt „added value“ stellt
insgesamt einen wertvollen
Lösungsvorschlag dar.
offener Wettbewerb 2007
Auslober: OKB Sarnen
Kennwort: added value
3. Rang
PDF OKB Sarnen